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29.07.2011

CO2-Label "Mogelpackung"

Kurz vor der Abstimmung im Bundesrat haben Umwelt- und Verkehrsverbände erneut gegen das neue Hinweisschild zum Energieverbrauch von Neuwagen protestiert.

Die novellierte Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV) sei eine "Mogelpackung", kritisierte Gerd Lottsiepen, Experte beim ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die geplante Einteilung in Effizienzklassen für den CO2-Ausstoß bevorzuge große und schwere Autos extrem, leichte, sparsame Fahrzeuge würden dagegen benachteiligt.
Ähnlich äußerten sich die Umweltverbände BUND und NABU. Sie forderten den Bundesrat auf, die Verordnung in seiner Sitzung an diesem Freitag abzulehnen. Stimmt die Länderkammer zu, wird sie am 1. Oktober in Kraft treten. Die Entscheidung gilt als offen.
In Deutschland ist es seit November 2004 Vorschrift, auf Neuwagen im Autohaus und in der Werbung den Kraftstoffverbrauch und den Kohlendioxidausstoß in Gramm pro Kilometer anzugeben. Es fehlt jedoch eine Einordnung dieser Werte innerhalb der Fahrzeugklasse. Die neue Verordnung soll dem nun Rechnung tragen. Wie beim Energieverbrauch von Waschmaschinen, Kühlschränken oder Lampen ist eine Einteilung in Effizienzklassen geplant: von A+ für besonders gut bis G für besonders schlecht. Zudem werden die Klassen farblich unterschieden, von Grün für A bis C über Gelbtöne für D bis F bis Rot für G.
Lottsiepen bemängelte, dass nach dem vorliegenden Regierungsentwurf etwa ein Porsche Cayenne Hybrid (CO2: 193 g/km, Gewicht: 2.315 kg) oder ein Audi Q7 3.0 TDI (CO2: 189 g/km, Gewicht:2.385 kg) das Label B erhalten würden. Kleinwagen wie Citroën C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo, die im Vergleich nur etwa die Hälfte CO2 emittieren, würden jedoch nur die Note C bekommen. In diese drittbeste Effizienzklasse würden damit Autos mit einem Spritverbrauch von 3,3 bis neun Litern pro 100 Kilometer fallen. Für die Verbraucher gehe so jede Orientierung verloren, hieß es.
Fahrzeugfläche statt Gewicht
"Grundsätzlich ist ein vergleichendes, farbiges Label zu begrüßen", betonte Lottsiepen. Aber statt Gewicht sollte die Fahrzeugfläche als Parameter für die Fahrzeuggröße gewählt werden. Sie sei weniger beeinflussbar und gebe einen aussagekräftigen Wert für die Größe und den Platz an, die ein Fahrzeug für die Nutzer biete.
Die Autoindustrie ist mit der geplanten Klassifizierung einverstanden. Sie orientiere sich an dem Grundsatz, die Effizienz für jedes Fahrzeugsegment gesondert zu betrachten.